Es ist schon geraume Zeit her, ich saß ich mit einer Kundin im Gespräch und eine ihrer Äußerungen hat mich sehr aufhorchen lassen. Es hat das ausgelöst, was man gemeinhin auch als Schlüsselerlebnis oder AHA-Erlebnis bezeichnet.

Wir waren dabei, ihre Stärken aufzudecken. Sie arbeitet im Projektmanagement und ich hatte sie gefragt: Was ist Dein Beitrag, den Deine Teamkollegen und Dein Chef an Dir am meisten schätzen? Was machst Du besonders gut?

Ich hatte sie gebeten dabei nicht nur auf ihre fachlichen Qualifikationen zu schauen. Es ging mir vor allem auch um die sogenannten sozialen Kompetenzen, die man zur Zusammenarbeit benötigt. Die einem oft gar nicht so bewusst sind oder die man manchmal einfach als selbstverständlich betrachtet.

Dazu gehören beispielsweise  aktive Hilfsbereitschaft,  in schwierigen Situationen Zuversicht/Optimismus verbreiten, Geduld und Fähigkeit bei der Wissensvermittlung. Eben die Eigenschaften, die von anderen Personen oft als besonders hilfreich und wertvoll eingeschätzt werden.

Sie überlegte ein wenig und sagte dann, sie wäre eine gute Vermittlerin. Sie könne zum einen gut in Konfliktsituationen vermitteln und damit oft die Situation klären und zwischen den verschiedenen Positionen ausgleichen. Zum anderen unterstütze sie gerne Führungskräfte oder Projektleiter, indem sie ihnen eine andere Sicht der Dinge deutlich macht. Eine Perspektive, die dem anderen sonst verborgen bleibt. Informationen oder Impulse, die der andere dann bei seinen weiteren Tätigkeiten berücksichtigen kann und die ihn wirklich voranbringen.

 

 Mein AHA-Moment

Und dann kam der entscheidende Satz, der mir so im Gedächtnis geblieben ist:

 

„Das ist ja ganz schön dass ich diese Fähigkeiten habe. Aber die sind ja nichts WERT! Die anderen können…“

 

Dann kam eine Litanei von Dingen von IT-Know-How,  fachlichem Know-How zu diesem und jenem, spezielle Methodenkenntnisse und und und.

Diese Aussage hat in mir sofort etwas ausgelöst. Denn mir wurde augenblicklich klar, dass sich hier eine Lücke auftut. Zwischen dem was wir rational und bewusst denken und dem was wir emotional und oft unbewusst wirklich fühlen.

Diese Urteile und Bewertungen die wir in der Kindheit, unserer Ausbildung oder auch später in unserem Berufsleben von anderen übernommen haben. Unsere sogenannten mentalen Modelle, wie der systemische Organisationsentwickler Peter Senge das auch nennt. Manche verwenden auch den Begriff des „Glaubenssatzes“ dafür.

 

Unsere mentalen Modelle steuern unbewusst unsere Handlungen.

Das Dumme ist, dass das mentale Modell, der Glaubenssatz und die damit verbundene Emotion dann unsere Handlungen steuert. Wir tun also etwas anderes, als wir nach außen hin propagieren und uns oft auch wünschen. Dieses Dilemma ist uns meist gar nicht bewusst.

Auf das Beispiel meiner Kundin übertragen bedeutet das:

Sie kann ihre sozialen Stärken der Vermittlung und des Perspektivenwechsels erkennen und auch benennen. Die Stärken sind ihr rational bewusst.

Sie kann diese Stärken aber offensichtlich nicht wertschätzen. Wertschätzung ist ein Gefühl, diese Stärken haben ganz offensichtlich nicht die gleiche emotionale Bedeutung wie die fachlich-methodischen Qualitäten.

Sie glaubt, diese Fähigkeiten seien mehr wert, als die Social Skills. Wer weiß, vielleicht denkt sie ja sogar unbewusst, dass diese im Business nichts zu suchen haben. Das Gefühl der Wertschätzung ist für sie automatisch mit den fachlich-methodischen Kompetenzen verknüpft.

 

Diese Diskrepanz zwischen Gefühl und Verstand kennzeichnet in meinen Augen viele Probleme, die wir in Unternehmen und Organisationen haben:

Wir kommunizieren Leitbilder, Mission Statements und Leitlinien zur Zusammenarbeit. Wir sind dann aber verwundert, dass sich beim TUN – den Handlungen – so wenig verändert.

Wir finden Wertschätzung und Respekt für andere total wichtig, aber in unseren Organisationsregeln und der Zusammenarbeit kommen die hierarchischen Unterschiede immer noch deutlich zum Ausdruck.

Wir hätten gerne mehr gelebte, soziale Kompetenz, finden aber keine Zeit uns damit zu beschäftigen. Wenn es hart auf hart kommt sind schnelle Ergebnisse am Ende doch wichtiger.

Kurz gesagt: Unsere Handlungen folgen unseren Gefühlen und den damit verbundenen mentalen Modellen – unserem gewohnten Denken. Egal was wir nach außen hin propagieren.

 

Mangelnde Wertschätzung – fehlende Wirkung

Ich möchte die Wirkung dieser Diskrepanz noch mal am Beispiel meiner Klientin vertiefen: Hier war es offensichtlich mangelnde gefühlte Wertschätzung gegenüber ihren eigenen sozialen Kompetenzen, die sichtbar wurde.

Wenn sie die Wertschätzung nicht fühlen kann, dann fehlen die Energie und die Überzeugungskraft, die unseren Emotionen zugrunde liegen.

Mangelnde Wertschätzung beeinträchtigt ihre Wahrnehmung und ihr Selbstbewusstsein.  Denn wenn sie sich gar nicht darüber bewusst ist, wie wichtig diese Fähigkeiten in der Zusammenarbeit mit anderen sind, dann wird sie diese auch nicht aktiv nutzen und einsetzen.

Es bleibt der Glaubenssatz im Kopf haften, dass das ja nicht so wichtig ist. Das unbewusste, schale Gefühl, dass die Social Skills vielleicht doch überbewertet werden. Wer weiß, vielleicht fühlt sie sich ja sogar oft ausgenutzt und weiß gar nicht so recht warum.

Und es geht noch weiter, durch die mangelnde Wertschätzung ihrer sozialen Kompetenzen lenkt sie ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf das von ihr wahrgenommene Defizit ihrer methodisch-fachlichen Fähigkeiten. Dadurch wird die Bedeutung der angeblich fehlenden, fachlich-methodischen Fähigkeiten für sie immer größer.

Vielleicht kennen Sie solche oder so ähnliche Bespiele ja auch.
Daran sollten wir etwas verändern, finden Sie nicht auch?

 

Unsere Wahrnehmung für den Wert unserer sozialen Fähigkeiten schärfen

Wenn wir also wirklich gezielt etwas im Hinblick auf menschlichere Unternehmenskulturen verändern wollen, dann sollten wir genau hier ansetzen. In dem wir soziale Kompetenzen und Fähigkeiten bei uns und anderen wirklich wertschätzen.

Und mit Wertschätzen meine ich nicht, dieses Gefühl im Kopf zu denken. Sondern Wertschätzung findet auf allen drei Ebenen mental, emotional und körperlich statt. Wir müssen diese Wertschätzung fühlen.

Wir müssen ihr Raum geben, gerade auch in der Zusammenarbeit mit anderen. Wir müssen uns Zeit nehmen, die Wirkung dieser Fähigkeiten wahrzunehmen und sie zu reflektieren. Soziale Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Empathie für andere, die Fähigkeit die eigenen Emotionen zu regulieren oder in angemessener Form eigene Grenzen zu setzen oder eigene Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen sind die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit und einen kulturellen Wandel.

Ich möchte Sie also auffordern, ihre Aufmerksamkeit mal auf diese Fähigkeiten zu lenken. Deshalb habe ich am Ende meines Artikels jetzt ein paar Fragen zusammengestellt:

  • Was sind ihre besonderen, sozialen Fähigkeiten im Umgang mit anderen?
  • Welchen WERT schaffen Sie damit – für das Team und das Ergebnis?
  • Wie bewusst sind ihnen diese besonderen Fähigkeiten bei ihren Teamkollegen/ihren Mitarbeitern? Welche Beispiele fallen ihnen dazu ein?
  • Spüren Sie die Wertschätzung auf allen 3 Ebenen: Rational als Gedanken, emotional als Gefühl im Herzen und im Körper? Wie fühlt sich das für Sie an?

 

Nehmen Sie sich einfach mal Zeit, darüber zu reflektieren, welche Wirkung diese Faktoren auf das Gelingen oder auch Nicht-Gelingen eines Projektes oder Vorhabens hatten. Was lernen Sie daraus?

Ich bin mir sicher, wenn wir uns diese sozialen Fähigkeiten und ihre Wirkung bewusst machen, dann werden wir auf einen Schlag die Zusammenarbeit und das Betriebsklima in so manchem Team  deutlich verbessern können.

In dem wir einfach nur bewusster damit umgehen, dazu müssen wir gar nichts besonderes tun. Im Gegenteil: es wäre besser öfter mal inne zu halten und ein wenig aufmerksamer zu sein. Um nicht alles in hektischer Betriebsamkeit und ununterbrochenen Aktivitäten zu ersticken.

Fangen Sie einfach bei sich selbst und ihren sozialen Kompetenzen an.

Herzlichst

Martina Baehr

Martina Baehr

In meinem Mindset-Blog gebe ich Tipps und Impulse zur Entfaltung eines starken, unterstützenden Erfolgs-Mindsets.

Ich unterstütze Führungskräfte, Projektmanager und Teams dabei mentale und emotionale Stärke im Berufsalltag zu entwickeln.  So navigieren Sie sich selbst und ihr Team souverän durch die stürmischen Zeiten der Veränderung.

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